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06.02.2011 23:39

Musikalische Hochgenüsse auf der MCV-Bühne


Eigentlich ist es ein Wunder, dass Oliver Mager noch unter den Lebenden ist. Das verstehen Sie nicht? Okay, der junge Mann wirkt auf den ersten Blick kerngesund. Da haben Sie schon Recht. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Mager hat auch „Konfetti in der Blutbahn“! Ja, tatsächlich. Klingt zwar ungewöhnlich, ist aber so! Zumindest, wenn man seinem neuesten Stimmungskracher glauben schenken darf, den er bei der ersten MCV-Prunkfremdensitzung in der Rheingoldhalle zum Besten gab. Vor über 2000 Zuschauern interagierte Mager immer wieder mit dem begeisterten Narrenvolk, das voll aus sich heraus ging und in ausgelassene Schunkellaune versetzt wurde. Auch die Songs „Wir sind Mainzer“ und „Moguntia“ trafen den Nerv der Närrinnen und Narrhallesen, die sich ebenso von ihren Plätzen erhoben wie das Komitee, das damit seiner Anerkennung nachhaltig Ausdruck verlieh.

Da wollten sich natürlich auch die „Konfettis“ (Leitung: Albert Schweikhard; musikalische Leitung: Stefan Hammer) nicht lumpen lassen und gaben mit ihrem bunten Potpourri ein unvergleichliches Liebesbekenntnis zur Meenzer Fassenacht ab. Zu einfühlsamen Fastnachtssongs umgedichtete Klassiker wie „Chianti Wein“ und „Thank you for the music“ vermittelten ein tolles Stück Mainzer Lebensart und entfachten eine allenthalben spürbare Euphorie, die beim ein oder anderen Gast sogar für echte Gänsehaut sorgte, die spätestens bei „Ihr seid die Stars von unserer Fastnacht“ auch den letzten Skeptiker ergriffen hatte.

Unterdessen waren „Paco und Paco“ alias Gerhard und Christian Carra auf der Suche nach dem idealen Fastnachtssong, dichteten den Après Ski-Kracher „Ski foan“ amüsant um, schlüpften in verschiedene Rollen, verkörperten beim „Meenzer Blues and Rock 'n Roll“ unter anderem die „Blues Brothers“ und stellten unter Beweis, dass Vater und Sohn auf der Bühne perfekt harmonieren. Ihr Klavier-Duett überzeugte genauso wie „Fastnacht ist der Soundtrack meines Lebens“ - ein gefühlvoller Song, den Carra junior selbst geschrieben hat und die holde Narrenschar zu vehementen Zugabe-Rufen verleitete. Auch die neu gegründete „Stimm Bande“ unter Führung von Musikdirektor Franz-Jürgen Dieter, die durch Werner Mundo am Tenor Saxophon, Tobias Dieter am Alt-Saxophon sowie Stefanie Klemens und Ute Gillmann (beide Gesang) komplettiert wird, riss den Saal dank ihrer heiteren Stimmungslieder auf ganzer Linie mit. Saxophon-Darbietungen höchster Güte, ein Vuvuzela-Konzert der besonderen Art, das bewies, dass die nervigen Tröten auch wohltuende Klänge produzieren können, brachten ebenso musikalischen Schwung in die Rheingoldhalle wie der Track „Wenn der Narrhallamarsch erklingt“.

Dass Thomas Neger und seine „Humbas“ ein fester Bestandteil der MCV-Saalfastnacht sind, dürfte jedem bekannt sein. In der Kampagne 2011 erwiesen sich Neger, Tobi Jäntsch (Gitarre), Sascha Feldmann (Bass), Michael Geldreich (Keyboard) und Johannes Musseleck (Drum) bei ihrem umjubelten Auftritt in der Rheingoldhalle erneut als altbewährte Stimmungsgranaten, die das Publikum mit Liedern wie „Meenz bleibt Meenz“ oder „Rucki Zucki“ nach der Pause schnell wieder zurück in den Saal lockten. Während MCV-Aktive Ulrike Schilf als „Frau Eulalia Ruckelsberger“ in ihrem extravaganten neongrün-schwarzen Kleid allerlei Neuigkeiten verbreitete, über Exhibitionisten, über Bord gegangene Schiffsgäste, ihren 7-jährigen Neffen oder eingeführte Gurken sang (Klavierbegleitung: Holger Weyer) und die Lacher auf ihrer Seite wusste, geriet der Auftritt von Andy Ost zu einem Höhepunkt des kurzweiligen Abends. Als „Einer, der richtig im Leben steht“ schilderte der Liedermacher mit Entertainerqualitäten sein „schräges Jahr“, spielte versiert am Flügel, erzählte schmunzelnd über seine Schwierigkeiten mit Freundin, Frau und Schwiegermutter („Sie sind wie postfrontale Tiefdruckgebiete – wenn sie sich verziehen, war es ein schöner Tag“) und trällerte einen originellen Kracher nach dem anderen. Osts Repertoire erscheint schier unerschöpflich, seine abgewandelten, urkomischen Imitationen von „Ich und Ich“- oder Udo Lindenberg-Songs gingen durch Mark und Bein und führten zu wahren Jubelorkanen.

Nachdem die Mainzer Hofsänger (Kapitän: Ralf Marling; musikalischer Leiter: Michael Christ) bereits vor der Pause mit ihrem gewohnt gesellschaftskritischen Potpourri brilliert hatten, war es dem berühmtesten aller Fastnachtschore vorbehalten, mit Klassikern wie „Tätärää“, „So ein Tag“ oder „Olé Fiesta“ für das würdige Finale eines unvergesslichen Abends zu sorgen.