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28.01.2019 07:03
Von: MCV-Presseteam

MCV-Funzelsitzung brennt ein über fünfstündiges Feuerwerk der närrischen Lebensfreude ab


 

Über fünf Stunden ausgelassene Stimmung, vierfarbbunte Knalleffekte und ein närrisches Potpourri auf allerhöchstem Niveau: Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) lieferte seinen restlos begeisterten Gästen im Gutenbergsaal der Rheingoldhalle ein wahres Feuerwerk der Lebensfreude. Ob Gesang, Tanz, Büttenreden oder vieles andere mehr – ein Rädchen griff bei der mit großer Vorfreude erwarteten „Funzelsitzung“ ins andere, ein Höhepunkt jagte den nächsten.

 

Während die MCV-Hofkapelle unter der Leitung von Andreas Hesping-Barthelmes für etliche tolle musikalische Zwischenspiele sorgte und Sitzungspräsident Adi Guckelsberger locker-flockig durch den kurzweiligen Abend führte, genossen die kreativ verkleideten Närrinnen und Narrhalesen ihre selbst mitgebrachten Speisen, prosteten sich im nur mit Kerzen illuminierten Saal zu und schunkelten sich mit zunehmender Sitzungsdauer in immer euphorischere Zustände.

 

Obwohl die Räumlichkeiten aufgrund des Umbaus des Großen Saals der Rheingoldhalle weniger Sitzungsbesucher fassen und alle Gäste etwas enger zusammenrücken mussten, hielt das die feiernde Narrenschar nicht ansatzweise davon ab, das von MCV-Vizepräsident Alexander Leber auf die Beine gestellte Programm - unter der Regie von Corinna Leber - in vollen Zügen zu genießen. Ganz im Gegenteil sogar: Besser als im festlich dekorierten Gutenbergsaal hätte die Atmosphäre wahrlich nicht sein können.

 

Und das lag vor allem daran, dass das auf der Bühne Gebotene keinerlei Wünsche übrig ließ. Bereits das Opening der Tanzschule Manfred S. (Sven Thiedig), die zusammen mit Pit Rösch, Uli Becker und Kira Resch elegante Tänze mit fetziger Musik verband, ließ erahnen, was da an Highlights auf die Fastnachtsfans zukommen würde.

 

Nach dem umjubelten Einmarsch der Garden, Offiziere und Marketenderinnen (unter der Leitung von Oberkommandeur Bernd Fleck von der Mainzer Ranzengarde), die von den legendären MCV-Schwellköpp begleitet wurden, setzte Patrick Henkel als Chef des Protokolls gleich einen rhetorisch geschliffenen Glanzpunkt. Er blickte gesellschaftskritisch zurück aufs vergangene Jahr, sezierte sowohl die große Weltpolitik als auch lokale Geschehnisse mit feiner Klinge und las so manchem großen Namen gehörig die Leviten.

 

Unterdessen verzückten die „Konfettis“ (Gesamtleitung Albert Schweikardt) mit wunderschönen, lebensbejahenden Balladen und heiteren Songs unter dem Motto „1000 Mal Helau“ - und die gefeierte „Appolonia“ (Gaby Elsener) berichtete spitzzüngig und rotzfrech über gescheiterte Flirtversuche, den Einsatz von Saugrobotern bei der Hausarbeit und machte so manche schlüpfrige Bemerkung und Anspielung, die die Lachmuskeln des närrischen Auditoriums heftig strapazierten.

 

Jede Kampagne aufs Neue ein Genuss sind die Auftritte der Showtanzgruppe „Fantasy“ des TSV Schott Mainz (Leitung Karin und Simone Carra), die das Publikum in diesem Jahr mit auf eine Reise durch Afrika in die faszinierende Welt der wilden Tiere und des Voodoo-Zaubers nahmen. Die getanzte Fassenacht auf unfassbar hohem Niveau, verbunden mit atemberaubender Akrobatik, originellen Kostümen und energiegeladen Hebefiguren, sorgte für stehende Ovationen der Zuschauer und laute „Zugabe“-Rufe, denen der amtierende Rheinland-Pfalz-Meister nur allzu gerne nachkam.

 

„Polizist“ Alexander Leber glänzte in seiner ihm auf den Leib geschnittenen Paraderolle, berichtete humorvoll von seinen skurrilen Erlebnissen im Revier Mainz und Rheinhessen, erzählte von Feinstaub, Datenschutz, Deeskalationsstrategien, kuriosen Aufeinandertreffen von Radlern und Jägern in den Weinbergen – und durfte sich des nicht enden wollenden Beifalls der holden Narrenschar sicher sein. Gleiches galt für „Paco und Paco“ (Gerhard und Christian Carra), die wie schon so oft in der Vergangenheit ein unschlagbares Duo bildeten, das Sangeskunst, Schauspielerei, Lässigkeit und coole Reime gekonnt miteinander verband. Schnell stellte sich heraus, dass das Rentnerdasein von „Paco senior“ alles andere als trist ist und man auch nach dem Ende seines Berufslebens noch lange nicht zum alten Eisen zählt. „Paco & Paco“ rockten den Gutenbergsaal und setzten mit ihrem „Rentner Blues & Rock 'n Roll“ eine unvergessliche Duftmarke.

 

Da wollte sich natürlich auch der „Bajazz“ nicht lumpen lassen und bewies einmal mehr, weshalb er als die Symbolfigur des MCV in keiner Kampagne fehlen darf. Dr. René Pschierer bot einen nachdenklich-reflektierten Vortrag mit hohem Anspruch, hielt Politik und Gesellschaft ungeschminkt den Spiegel vor, hob mahnend den Zeigefinger, übte Kritik an der ausufernden Umweltzerstörung und schonte auch Staaten wie Frankreich, Großbritannien, die Türkei, die USA oder Russland nicht vor seiner Manöverkritik.

 

Ebenso untrennbar mit dem MCV verbunden wie der „Bajazz“ sind auch die Mainzer Hofsänger (musikalische Leitung: Michael Christ), die ihrem Ruf als bester Fastnachtschor der Welt einmal mehr gerecht wurden. Ihre Casting-Show für interessierte Gesangstalente aus allen Erdteilen geriet zu einem musikalischen Feinkostmenü mit viel Augenzwinkern und Komik. Kapitän Christoph Clemens und seine Mitstreiter zeigten Entertainer-Qualitäten und bewiesen eindrucksvoll, dass sie nach wie vor eine Klasse für sich sind.

 

Nach der 3x11 Minuten langen Pause gelang es Thomas Neger und den „Humbas“ auf gewohnt lässige Art und Weise, das Publikum wieder in Windeseile zurück in den Saal und auf seine Plätze zu locken. Doch dort hielt es in Anbetracht von Krachern wie „Humba Tääterää“, „Das Mädche vom Ballett“ und „Lewwerworscht“ niemanden lange. Rasante Rhythmen und Energie schwappten durch den Saal, auf den Stühlen hielt es keinen mehr. Und spätestens beim von allen Meenzern so geliebten „Im Schatten des Doms“ herrschte Gänsehaut-Atmosphäre. Feuerzeuge und Wirbel-Willis wurden gleich reihenweise in die Luft gehalten und die Narren lagen sich selig in den Armen.

 

Derweil riss der „Hobbes“ alias Hansi Greb als Ü 60er mit seinem Vortrag alle in der Rheingoldhalle mit. Fit wie ein Turnschuh und ohne jegliche Alterserscheinungen referierte der „Hobbes“ in seiner unnachahmlichen Art über verschiedene Alterserscheinungen, sich abschwächende Manneskraft und hilfreiche Gegenmaßnahmen. Der verdiente Lohn war ein extrem lange anhaltender Sonderapplaus.

 

Den holte sich am Ende auch „Gardist“ Markus Schwalbach ab, der von seinem turbulenten Leben als Gardemitglied erzählte. In diesem Leben dreht sich viel um Alkohol und Schabernack. Schwalbach teilte gekonnt und spitzzüngig gegen Wiesbadener und Finther aus, gab diverse Seitenhiebe und Schlüpfrigkeiten zum Besten und wurde frenetisch gefeiert. In Anbetracht seines herzerfrischenden Kokolores-Vortrags auch mehr als verdient.

 

Zuvor hatte das MCV-Hofballett (Leitung: Bianca Heinen, Anne Karkowski) einen wahren Augenschmaus kredenzt. Der zuckersüße Auftritt als „Bonbons“, die anmutig über die Bühne tanzten, war absolut sehenswert. In ihren kunterbunten Kostümen schwebten die Tänzerinnen über das Parkett und entpuppten sich als ganz besonderer Farbtupfer des Programms.

 

Längst zu einem elementaren Bestandteil der MCV-Sitzungen hat sich Pit Rösch entwickelt. Der Stimmungs- und Schunkelsänger, dessen Herz untrennbar mit seiner närrischen Vaterstadt Mainz verbunden ist, überzeugte auch bei der Funzelsitzung mit seinen Liebesbekundungen ans goldisch' Meenz, seiner Art und seinem Humor. Das neue „Lass de Kopp net hänge, es wird schon wieder gut“ des Straßenmusikanten ist ein wunderschönes, berührendes Lied und unterstrich Röschs Fähigkeit, die letzten Winkel der Halle emotional zu erreichen.

 

Eine Kunst, die „Nachtwächter“ Adi Guckelsberger genauso beherrscht. Auf seinen abenteuerlichen Streifzügen durchs nächtliche Mainz erlebt der „Nachtwächter“ immer wieder aufs Neue die schrägsten Dinge und schafft es auf unvergleichliche Weise, die holde Narrenschar in seine Geschichten einzubinden. Ganz egal ob Museumsbesuche, Momente in der Leichenhalle, Knutschen in der Dunkelheit oder Motorradunfälle – Guckelsberger lässt seine ihn anhimmelnden Zuhörer immer wieder das Ende seiner Reime vervollständigen. Was regelmäßig zu Gejohle und Tränen in den Augen führt. Vor Lachen und Schenkelklopfen, versteht sich.

 

Umso runder geriet daher auch das große Finale als krönender Abschluss eines außergewöhnlich heiteren Abends: Während das MCV-Hofballett auf dem Komitee-Tisch tanzte und die dort sitzenden Herren in Verzückung versetzte, sangen sich Pit Rösch und die Mainzer Hofsänger endgültig in jedes Narrenherz. Viele Emotionen brachen sich Bahn, bei Evergreens wie „So ein Tag“, „Olé Fiesta“ und „Sassa“ schauten sich alle Beteiligten glücklich an. Schöner geht’s zum Schluss wirklich nicht.