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< Musikalische Hochgenüsse auf der MCV-Bühne
07.02.2011 09:19

Die MCV-Redner – eine Klasse für sich!


„Es gibt Banker, die tragen ihren Kopf so hoch, dass sie schon nicht mehr die Füße der Geschädigten sehen, auf denen sie herumtrampeln.“ Wahre Worte eines geistreichen Mannes, der es nun wirklich wissen muss. Schließlich ist der „Bote vom Bundestag“ nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten Bundesrepublik ganz nah dran am Geschehen. Von Pleiten, Pech und Pannen, aber auch von Versagern, Kleingeistern und Größenwahn wusste Jürgen Dietz zu berichten, der mit seinem Vortrag bei der ersten MCV-Prunkfremdensitzung ein hintergründiges Glanzlicht setzte.

Der „Bote“ traf den Kern allen Übels, bezeichnete FDP-Chef Guido Westerwelle als „Minister des Äußersten“, zog CDUler Heiner Geißler durch den närrischen Kakao („Seine Schlichterrolle bei Stuttgart 21 klang so, als wolle man versuchen, Zahnpasta zurück in eine Tube zu drücken“) und ließ auch an der Deutschen Bahn kein gutes Haar („Die Bahn hat nur ein Problem: Frühling, Sommer, Herbst und Winter“). Mit seinen nüchternen Analysen legte Dietz den Finger in die brennenden politischen Wunden dieser Republik, watschte die Grünen und Finanzminister Wolfgang Schäuble dezent ab („Um dem Steuerzahler die Rosinen aus dem Kopf zu holen, setzt er beim Finanzamt die Korinthenkacker ein“) und bezog zu Kernthemen wie Arbeitslosigkeit und Rauchverbot sarkastisch Stellung. Die Trägheit manchen Bundesbürgers fand vor dem „Bote“ ebenso wenig Gnade („Der Kasten Bier ist der Brockhaus des kleinen Mannes“) wie das Fehlverhalten des Augsburger Bischofs Mixa („Lieber eine betrunkene Bischöfin als ein nüchterner Bischof Mixa“). Doch seine Lieblingsopfer sind und bleiben Politiker – egal ob auf Bundes- oder Landesebene: Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und CDU-Herausforderin Julia Klöckner (CDU) dürften froh gewesen sein, nicht persönlich im Saal geweilt zu haben. Der minutenlange, tosende Beifall samt stehender Ovationen des Publikums war Beleg für jene Brillianz und Scharfzüngigkeit, mit der MCV-Vize Jürgen Dietz es immer wieder aufs Neue gelingt, die Dinge pointiert auf den Punkt zu bringen.

Das gelang auch Sabine Pelz, die als „Aushilfs-Richterin“ in der Bütt glänzte und bis vor einem halben Jahr noch als Fußpflegerin tätig war. Doch das ändert selbstredend nichts an ihrer Qualifikation auf juristischer Ebene. „Früher habe ich gesagt: Käsfüß' brauchen Deo, jetzt sage ich: in dubio pro reo“, urteilte die „Aushilfs-Richterin“, die im atemberaubenden Reimstakkato über ihre Fälle berichtete und mit Wonne über alles und jeden lästerte. Ihr herzerfrischender, urkomischer Vortrag verdiente sich Bestnoten mit Tatbestand „Vorsätzlicher Angriff auf die Lachmuskulatur“. „Universalerbe“ Alexander Leber, dessen Rede unter dem Motto „Hast du viel Verwandschaft, brauchst du keine Feinde“ stand, machte mit einer gehörigen Prise Humor deutlich, dass das Alleinerbe seiner Tante Elfriede für ihn eher Fluch als Segen ist. Nicht zuletzt wegen der buckeligen Verwandschaft, die bereits bei der feucht-fröhlichen Trauerfeier ihr wahres Gesicht gezeigt hat: „Schon wird aus einem Zimmer voller Tränen ein Raubtierkäfig mit 30 Hyänen“, gab Leber eine allseits bekannte Weisheit zu Protokoll.

Derweil wagte sich Patricia Lowin an eine Thematik heran, die Brisanz in sich birgt. Doch ihr starker Auftritt als Chefmoderatorin von „Döner TV“ brachte der in Strapse, Dirndl und Kopftuch gehüllten Rednerin nur Lobeshymnen ein. Moderatorin „Ayshe“, deren Onkel Izmir Übel natürlich eine Dönerbude hat und „ganz frisches Gammelfleisch“ vermarktet, zeigte auf ihre eigene Art, was man heutzutage unter Integration zu verstehen hat. Sie definierte Begriffe wie Gebärmutter, Babywindel („Das heißt auf türkisch Güllehülle“) oder Mainzer Fastnachtslieder völlig neu und hatte zu guter Letzt noch einen augenzwinkernden Tipp für all diejenigen im Saal parat, die während des Sitzungsmarathons dringend aufs stille Örtchen mussten: „Auf Basar gibt es keine Toilette, auf Basar bescheißt jeder jeden.“ Dem wäre wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Wie „Ayshe“ von „Döner TV“ stand auch „Arnoldus“ bislang nicht im Rampenlicht der MCV-Bühne. Doch das hat sich nun geändert. Als neuer Aktiver feierte René Pschierer einen eindrucksvollen Einstand in der Mainzer Bütt, nahm als aus dem Rheinland kommender „Spielmann Karls des Großen“ so manchen Sozialschmarotzer ins Visier und erfüllte das Kampagnenmotto „Egal was kommt, egal was ist, der Mainzer Narr bleibt Optimist“ mit Leben. Mit seinen zahlreichen spitzzüngigen Kalauern und bildlichen Vergleichen schonte „Arnoldus“ weder Politiker noch Wirtschaftsbosse und C-Promis und trug dafür Sorge, dass der politische Vortrag des MCV nicht untergeht.

Nachdem sich die Narrenschar schon den ganzen Abend auf die von Adi Guckelsberger verkörperte Figur „Nachtwächter“ gefreut hatte, wurde ihr geduldiges Warten am Ende mehr als belohnt. Guckelsberger erzählte auf seine unnachahmliche Art Geschichtchen über brückenbauende Wiesbadener und alte Mütterchen, die aus der Bahn fallen, watschte die Finther genüßlich ab und schaffte es mit Leichtigkeit, seine Zuhörer mit einzubinden. Kein Wunder bei einem wie ihm, der festgestellt hat, dass einer seiner Vorfahren im 17. Jahrhundert tatsächlich Nachtwächter war.

Last but not least wäre da noch Andreas Schmitt. Über den zierlichen „Obermessdiener“ viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Der Mann, der nur zu gerne lästert und sich selbst gern auf die närrische Schippe nimmt, war auch bei der ersten MCV-Prunkfremdensitzung wieder großartig. Kostprobe gefällig? Bitte sehr: „Wenn ich zehn Kilo abnehme, ist es genauso, als wenn beim Panzer das Nummernschild abfällt“ (Schmitt über seinen Besuch beim Arzt, der ihm vorschlug, sein Gewicht zu reduzieren). Noch eine? Gern: „Das Unterschichten-Fernsehen Privat-TV – ich kann's net verstehen – so viel Dummheit auf einem Bildschirm hat noch niemand gesehen“ (Schmitt über das Dschungelcamp und Co.). Damit dürfte nun wirklich alles gesagt sein.