Über die Fastnachtsposse 2009
Von Dr. Elmar Maus

In der letzten Kampagne haben die Scheierborzeler wiederum ein überarbeitetes Boulevardstück auf die Bretter des Mainzer Staatstheaters gebracht. Dabei handelte es sich um die Farce „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn. Heidi Pohl und Peter Krawietz jr. haben das Stück überarbeitet und einen Bezug zur Mainzer Fastnacht hergestellt. Unter dem Titel „Der nackische Wahnsinn“ gewährte das Stück unter der bewährten Regie von Heidi Pohl einen amüsanten Einblick hinter die Kulissen einer Fastnachtsposse. Denn in diesem Stück wurden die Generalprobe, die Premiere und die Dernière einer Fastnachtsposse gezeigt.
Schon in der Generalprobe – der erste Akt – hatte Regisseur Otto Rickelsberger (Franz Pohl) alle Hände voll zu tun, um seine Darsteller im Zaum zu halten. Er musste Fehler seiner Darsteller korrigieren, Streitereien schlichten und den sensiblen Hauptdarsteller (Andreas Kerz) beruhigen, der bei Stress zu Nasenbluten neigte.
Dabei kam es auch zu gelegentlichen Wutausbrüchen des Regisseurs. Im zweiten Akt – der Premiere – steigerte sich das Chaos noch, da die Zuschauer nun das Geschehen hinter den Kulissen sehen konnten. Jetzt wurde deutlich, dass die Darsteller (Sylvia Kipper, Markus Beer, Claudia Reimers, Monika Eberle und Bernd Funke) nicht nur mit ihrem Stück Probleme hatten, sondern sich auch untereinander nicht grün waren. Neid und Eifersucht beherrschten das Ensemble. Außerdem trugen die Inspizientin (Stefanie Huff) und die Regieassistentin (Jennifer Schorr) zur allgemeinen Verwirrung bei.
Im dritten Akt – der Dernière – herrschte endgültig der nackische Wahnsinn auf der Bühne und die Vorstellung ging im allgemeinen Chaos unter, weil nichts mehr funktionierte und die privaten Streitereien der Darsteller auf offener Bühne ausgetragen wurden. Zum Schluss traten drei Einbrecher auf. Da der Darsteller des Einbrechers als unzuverlässig galt, übernahmen sowohl der Regisseur als auch die Regieassistentin seine Rolle. Natürlich trat dann auch noch der richtige Darsteller des Einbrechers zur allgemeinen Verwirrung auf.
Das Stück gewährte dem Publikum, das von den durchweg hervorragenden Darstellern aufs Beste unterhalten wurde, mit einem Augenzwinkern einen Eindruck hinter die Kulissen einer Theaterproduktion. Unterstützt wurden die Scheierborzeler von Ulrike Schilf, die musikalisch in die Handlung der einzelnen Akte einführte, von dem Mainzer Salonorchester unter Michael Millard und der Jazztanzgruppe Dienheim.
Fotos: Michael Pohl




