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03.02.2017 13:51

Der Styropor zur Narrenkunst macht


Dieter Wenger wird heute 7x11 Jahre alt und baut seit 5x11 Jahren die Motivwagen des MCV

MAINZ - So richtig Geburtstag feiern, gemütlich zuhause, mit Kaffeeklatsch, Familie und Freunden, Ausflug ins Grüne – das muss sich Dieter Wenger abschminken. Sein Geburtstag fällt immer in die närrische Zeit; in seiner beruflichen Residenz in der Mombacher Wagenhalle herrscht da absolute Hochsaison. Umgeben von Styropor, Farben, Leim und großformatigen Politikerköpfen wird meist dort der Kuchen angeschnitten.

Heute, am Freitag, 3. Februar, wird Dieter Wenger närrische 7x11 Jahre alt. Und nicht nur das: Seit epochalen 5x11 Jahren baut er dieses Jahr die Wagen für den Rosenmontagszug – er dürfte damit der dienstälteste Kreative und Unternehmer seiner Branche in Deutschland sein. Sein Düsseldorfer Kollege Jacques Tilly beispielsweise war 1962, als Dieter Wenger seinen ersten Wagen baute, noch nicht einmal geboren.

Wenn es einen gibt, der Barack Obama, Angela Merkel, der Freiheitsstatue oder Helmut Kohl schon tief in die Augen geschaut hat, dann ihn. Zwar nicht immer in Natura, aber dennoch in Großaufnahme. Für seine Gesichter, seine Figuren und deren Gestiken besorgt er sich unzählige Bilder und Aufnahmen, perfektionistisch geht er ran, wenn es um die Mimiken geht. Die Gesichter und die Botschaften der Wagen für die Zuschauer auf den ersten Blick erkennbar zu machen, das ist sein Credo; genau das ist inzwischen längst zu einem seiner Markenzeichen geworden.

Er war zarte 22, als er in zugigen Zelten in der Zwerchallee damit begann, die Wagen zu bauen; die Zeiten haben sich geändert, die Fastnacht ist zum Geschäft geworden, die Wagen professioneller. Dieter Wenger scheut weder Trends noch Technik; und er hat bis heute nichts von seiner Leidenschaft für das kreative, närrische Gestalten eingebüßt. Bösartiger Spott ist ihm dabei fremd: „Der Narr zeigt Dinge auf und legt den Finger in die Wunde.“

Die Motive, die er umsetzt, werden von der Zugleitung, einem etwa 30-köpfigen Team erarbeitet; nicht selten ist allerdings er es, der den Figuren und Bildern noch einen kleinen, feinen Schliff oder ein witziges Gimmick verpasst. Dieter Wenger ist Unternehmer, Arbeitgeber, Kreativer; wenn für viele andere Fastnacht ein Hobby, ein Nebenerwerb oder schlicht eine Riesengaudi ist, dann ist es für ihn sein Beruf und seine Berufung – und das heute wie vor 55 Jahren ganz nah am Puls der Zeit.

(Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz / http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/der-styropor-zur-narrenkunst-macht_17655237.htm)