Multi-Kulti oder „Schmeißt die Kappe dorchenanner“
Auszug aus einem Narrhalla-Artikel
Wenn man im Mainzer Fastnachts-Umfeld den Begriff Multi-Kulti etwa dahingehend definiert, dass verschiedenste närrische Korporationen zusammenarbeiten (oder besser gesagt, dass es wünschenswert wäre, wenn sie dies täten), dass alle Gesellschaftsschichten an unserem vaterstädtischen Fest teilhaben und dass sowohl Saal- als auch Straßen-Fastnacht ihren Platz im närrischen Geschehen haben, dann könnte man das Motto noch ergänzen: „Multi-Kulti Fassenacht – in Mainz am Rhein wird’s vorgemacht“.
Um zu zeigen, dass dies tatsächlich so ist, sei dem Verfasser gestattet, zunächst aus dem eigenen Dunstkreis (obwohl es hier glasklar zur Sache geht), nämlich der Redaktion der Narrhalla, der ältesten Fastnachtszeitung Deutschlands zu berichten. Denn da sitzen ein MCV-Zugmarschall, ein MCC-Ehrenpräsident, ein Protokoller der Mombacher Bohnebeitel, ein Bajazz, ein MCV-Vorständler, ein Financier, GCV-Aktive, Mitglieder der Zugleitung des Rosenmontagszugs, Gardisten von Prinzen- und Füsiliergarde, ein Hoffotograf sowie Layouter und Grafiker (also eher profane Zeitgenossen, die sich aber bereits närrische Meriten verdient haben) zusammen und gestalten ein gemeinsames Produkt, die Narrhalla. Multi-Kulti also! „Das kann nicht sein“, sagen Sie als Insider und Kenner der Szene? ... und es geht doch ... und es kommt (ein bisschen Stolz darf sein) auch was gescheites dabei heraus. Ein Fastnachtfunktionär früherer Tage soll einmal gesagt haben: „Schmeißt mer blos nit die Kappe dorchenanner“; doch genau das passiert hier. Obwohl, etwas gefrotzelt wird natürlich doch, wenn etwa einer aus der Runde, die Redner seines Vereins besonders gut in der Zeitung platzieren möchte. Dann kommt schon mal die Frage: „Ach ehrlich, ihr seid en Fassenachtsverein?, hab ich noch gar nit gemerkt“. Aber schließlich verträgt man sich wieder; denn es sind ja weder Finther noch Wiesbadener in diesem Kreis zugelassen (um auch dieses Klischee zu bedienen). Und manchmal denkt man da schon, ob dieses Modell nicht generell funktionieren könnte; schließlich wollen alle doch das gleiche: Fassenacht feiern auf echt Meenzer Art.






